2026
Der Innenraum der Alsfelder Synagoge nach dem digitalen Modell.
2026Die virtuelle Rekonstruktion der Alsfelder Synagoge
Die Synagoge Alsfeld, entworfen von dem Architekten Fritz Adam, wurde 1904/1905 in der Lutherstraße erbaut und am Freitag, den 29.12.1905 feierlich eingeweiht. Während den Novemberpogromen 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt und bis auf ein Nebengebäude abgerissen.
Einige Gegenstände konnten gerettet werden, die heute der Geschichts- und Museumsverein Alsfeld aufbewahrt – darunter der Thoraschrein, ein Uhrenschrank und eine bestickte Decke, die auf der Bima (Lesepult) lag. Alle diese Gegenstände konnten auf unterschiedliche Weise in die virtuelle Rekonstruktion integriert werden.
Die Rekonstruktion im Computer basiert zudem auf umfassendem Quellenmaterial. Bemaßte Grundrisse, Schnitt- und Ansichtszeichnungen sowie eine perspektivische Innenraumskizze aus dem Jahr 1903 lieferten einen guten Überblick über die Synagoge und ihre Dimension. Doch die Pläne sind kritisch zu betrachten, da es sich nur um Entwurfszeichnungen handelt. Beim Vergleich mit historischen Fotografien fallen kleine Unterschiede zu der tatsächlich gebauten Synagoge auf. Trotzdem ermöglichten die Planzeichnungen einen Eindruck, wie die Bereiche der Synagoge ausgesehen haben könnten, die auf den überlieferten Fotos nicht zu sehen sind.
Die noch vorhandenen Fotografien zeigen die Ost-, Süd- und Westseite der Synagoge. Aus dem Innenraum existieren nur Fotos, die die Ostwand mit dem Thoraschrein zeigen.
Für die Rekonstruktion des übrigen Raums mussten die Entwurfspläne herangezogen werden. Ergänzt wurden all diese Quellen durch eine Baubeschreibung des Architekten, Zeitungsartikel und Zeitzeugenberichte, aus denen wichtige Informationen zur Farbigkeit und Materialität hervorgingen.
Trotz der recht umfangreichen Quellenlage blieben einige Bereiche unklar, die im Rahmen der virtuellen Rekonstruktion plausibel ergänzt oder vergleichbaren Synagogen nachempfunden wurden.
Die oben erwähnten, heute noch erhaltenen Gegenstände des Innenraums dienten auf verschiedene Weise der Erzeugung virtueller Objekte. Die Fotografien des Thoraschreins, der in einzelnen Teilen im Depot des Museums aufbewahrt wird, boten eine hervorragende Grundlage, um ihn im Computer nachzubauen.
Die Verzierungen und die Farbe der Decke der Bima konnten durch Fotografien nachempfunden werden. Die Farbe wurde auch für den Thoravorhang und die Decke des Vorbeterpults verwendet.
Das digitale Modell des Uhrenschranks hingegen konnte auf Basis eines automatisierten Verfahrens (SfM) aus rund 100 systematisch aufgenommen Bildern erstellt werden, das dann noch überarbeitet wurde, so dass die heute vorhandenen Risse retuschiert werden konnten.