1972
Herbert Arnold: Schwälmer Veteranentanz in Willingshausen, 1909
1972Gruß aus Wien
Aufgrund dieses auffälligen Rückseitenbefundes wurde das Gemälde von Herbert Arnold näher untersucht.
Der Berliner Maler Herbert Arnold hielt sich im Februar/März 1909 in Willingshausen in der Schwalm auf. Bei diesem Aufenthalt erlebten er und der Maler Franz Eichhorst aus Berlin den Veteranentanz, auch „Wursttanz“ genannt. Seine Eindrücke hielt er noch im selben Jahr in diesem Gemälde fest.
Am 03.10.1944 wurde der „Veteranentanz“ im Auktionshaus Dorotheum in Wien versteigert und für 6.000 RM von Karl Schwantner, einem Architekten aus Wien, erworben. Dieser behielt das Gemälde über 25 Jahre und verkaufte es 1972 an das Museum in Alsfeld für 4.500 DM. Bevor er das Gemälde nach Alsfeld schickte, schrieb er noch „19 Gruß aus Wien 72“ auf den Rahmen.
Bedenklich erscheint die Tatsache, dass er dieses Gemälde 1944 im Dorotheum erworben hatte.
Das Dorotheum ist ein bekanntes Auktionshaus in Wien. In der Zeit nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 profitierte das Dorotheum erheblich von der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Österreich. Es erhielt sowohl von den Verfolgten Kunstwerke, die sie vor ihrer Emigration verkaufen mussten, als auch von den staatlichen Behörden des Deutschen Reiches. 1940 hatte die Gestapo in Wien die Verwaltungsstelle für jüdisches Umzugsgut (kurz: Vugesta) gegründet. Die Vugesta verwertete die sogenannten „Umzugsgüter“ von ca. 5.000 jüdischen Familien. Beschlagnahmte Besitztümer wie Kunstwerke, Möbel, Schmuck und andere ließ sie im Dorotheum versteigern. Da der „Veteranentanz“ 1944 im Dorotheum angeboten wurde, besteht hier der Verdacht, dass es aus dem Besitz jüdischer Verfolgter stammen könnte.
Die Provenienz des Gemäldes weist aber Lücken auf, die auch durch die aktuellen Nachforschungen nicht geschlossen werden konnten. Die Besitzverhältnisse bis zum Jahr 1944 konnten nicht nachvollzogen werden. Ein verfolgungsbedingter Verkauf oder eine Beschlagnahmung in der Zeit von 1938-1944 kann daher weder ausgeschlossen noch bestätigt werden. Bis jetzt lassen sich keinerlei Anhaltspunkte finden, wer das Gemälde 1944 in das Auktionshaus brachte und somit, ob es mögliche Geschädigte gibt. Was bleibt, ist ein Verdacht.