1790
Das blecherne Signalhorn des Geißenhirts
1790Das Horn des Alsfelder Ziegen- oder „Geißenhirts“
Bis hinein ins 20. Jahrhundert war Alsfeld ein typisches Ackerbürgerstädtchen. Das Stadtbild war landwirtschaftlich geprägt: Holzstapel vor dem Haus, Misthaufen daneben, und durch die Gassen floss in seitlichen Rinnen rechts und links das Wasser der Liederbach. Viele Bürger in jener Zeit hielten ein bis zwei Ziegen, die sogenannte „Kuh des kleinen Mannes“, wobei es auch viele wirkliche Kühe in den Stallungen der Innenstadt gab, Schweine und Hühner sowieso.
Die Grundlage für die Ziegenhaltung waren die vielen außerhalb der Stadtmauer vor den Toren der Stadt liegenden Wiesen und Äcker, die ausreichend Futter boten. Wie die Kühe, Schweine und Schafe, so hatten auch die Ziegen ihren eigenen Hirten, der sie täglich morgens aus der Stadt Alsfeld heraus und abends wieder zurücktrieb.
Eine historische Quelle beschreibt uns den Alsfelder Ziegenhirten in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wie folgt: „Der alte Bramm aus der Steinborngasse, rüstig, mit faltenreichem Gesicht, in kurzem, blauen Kittel mit dunkler Schildkappe. Auf der einen Seite hing ihm eine Ledertasche von der Schulter, in der der bescheidene Mittagsimbiß war, auf der anderen das blecherne Horn zum Signal geben… In der Hand hielt er einen derben Stecken… Sein Freund und Helfer war „Mohr“, ein langhaariger, schwarzer Schäferhund… Der alte Bramm kannte alle Geißen. Er rief sie mit dem Namen ihrer Besitzer oder ihrer Besitzerinnen.“ (MNic)