1954
Brief der Exilgemeinde in Haifa
1954Die Alsfelder Exilgemeinde in Haifa
Am 05. September 1954 erhielt das Museum ein erstaunliches Schreiben aus Haifa in Israel. Haifa, eine Hafenstadt, war das Erste, was jüdische Einwanderer bei ihrer Ankunft mit dem Schiff in Israel sahen. Hier hatten sich bereits 1933 mehrere Juden aus Alsfeld und Umgebung niedergelassen und eine Gemeinde gegründet, die Hevrat Adat Yeshurun (auch: Adei Yeshurun). Der Name bedeutet Gemeinde der Aufrichtigen. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges erbauten sie eine Synagoge im Viertel Hadar, in der Masadastraße. Ausschlaggebend für die Gründung der Gemeinde war die Emigration des Adolf Steinberger (1886-1947), Inhaber der Kleiderfabrik Strauss & Steinberger, der im August 1933 nach Haifa emigrierte und nicht nur seine Familie, sondern auch mehrere jüdische Angestellte mitnahm.
Der Brief enthält die Bitte der Exil-Alsfelder um Rückgabe der Ritualgegenstände aus Alsfeld.
Unterzeichnet war diese Bitte von 15 ehemaligen Alsfelder Juden unter Angabe ihrer früheren Wohnadresse in Alsfeld und Umgebung und ihrer Funktion innerhalb der jüdischen Gemeinde. Am 28. Oktober 1954 wurden 20 Ritualgegenstände aus der Alsfelder Synagoge der Gemeinde in Haifa übergeben. Eine deutschsprachige Zeitung in Israel hatte bereits im Vorfeld überschwänglich über die Rettung dieser Gegenstände vor der Zerstörung berichtet. Zum Dank schenkte die jüdische Gemeinde in Haifa 1955 dem Museum in Alsfeld mehrere Silbergegenstände aus Israel.
Die Silbergegenstände wurden von Eliezer Aharon Stanetzky (1897-1948) angefertigt, der an der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem studiert hatte und ein renommierter Silberschmied in Jerusalem war. Diese Kunstgewerbeschule war 1906 gegründet worden und versuchte, eine eigene jüdisch/hebräische Formsprache zu entwickeln. Der Stil Stanietzkys verschmolz orientalische Elemente und Techniken mit dem Art Deco. Daher meint man auf den ersten Blick, Objekte aus den 1920er Jahren vor sich zu haben. Sie sind aber wohl nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Stanetzky starb 1948, die Firma bestand jedoch weiter.