1943
Der Thoraschrank aus der Alsfelder Synagoge.
1943Jüdisches Leben wird Geschichte
Im März 1938 übernahm der Lehrer Karl Rausch (1879-1976) die Verwaltung des Alsfelder Museums, nachdem sein Vorgänger nach längerer Krankheit verstorben war. Zuvor hatte Rausch das Museum ehrenamtlich unterstützt. Rausch war langjähriges, aktives Mitglied der SPD und war aus politischen Gründen als Lehrer am 30.03.1933 entlassen worden.
Nach der Übernahme des Museums gestaltete er die Ausstellung um, da die Räume seiner Ansicht nach überladen und unübersichtlich geworden waren. Daher reduzierte er die Anzahl der Ausstellungstücke, ordnete sie neu und ließ die Räume gründlich reinigen. Zu diesem Zweck “lieh“ er sich polnische Zwangsarbeiterinnen von einer Brauerei aus. Im Bericht von 1940 schlug er auch vor, die Judaica in Zukunft auszustellen:
„Sehr gut einrichten und ausstellen könnte man auch einen besonderen Raum, der das Judentum in Alsfeld veranschaulicht. Im Erdgeschoss steht der mächtige Toraschrank, in Schränken und Truhen liegen kostbare Decken, Hüllen, Thorarollen und echt silberne Geräte aus jüdischem Besitz. Die letzteren wurden von der amtlichen Verwertungsstelle in Frankfurt/Main zum Preise von RM 200,– erworben, welche Summe zwei hiesige Bürger für diesen Zweck spendeten.“
Aus: Tätigkeitsbericht des Museumsverwalters Karl Rausch für die Zeit vom März 1938 bis 4. September 1940 (Geschichts- und Museumsverein Alsfeld, Akte M I,4)
1943 wurde das Museum feierlich neu eröffnet, die Judaica wurden dabei in der Presse allerdings nicht erwähnt.