1941
Auszug aus dem „Generalprotokoll“ vom 4. Dezember 1941
Alsfeld skrupellos!Vertreibung der letzten Jüdin
Was für eine bürokratische, nüchterne Vollzugsmeldung, wenn man rückschauend das Schicksal der betroffenen Menschen und Mitbürger in die Beurteilung einbezieht! Am Ende einer achtjährigen Entwicklung steht als letzter Vermerk in einem vierseitigen „General-Protokoll“ vom 4. Dezember 1941: „Alsfeld ist jetzt frei von Juden“. Hintergrund war das Gesetz vom 30. April 1939 über Mietverhältnisse mit Juden. Es war nur eines von 42 Gesetzen, Verordnungen und Erlassen zwischen 1933 und 1943, die die systematische Herabsetzung des Judentums und die Vertreibung der Juden aus Deutschland bezweckten.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begannen die ersten jüdischen Familien auszuwandern, überwiegend nach Amerika und Palästina. Der jüdische Bevölkerungsanteil in Alsfeld betrug damals fast vier Prozent. Jüdische Geschäfte und Unternehmen, jüdische Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte sowie die Teilhabe der Juden am öffentlichen Leben gehörten bis dahin zur Normalität.
Ende 1940 waren die Fortzüge bis auf zwei abgeschlossen. Selma Rothschild, Witwe des in Angenrod geborenen Bürstenbinders Joseph Rothschild, war die letzte im Haus Amthof 2 lebende Jüdin. Im November 1941 zog sie nach Bad Nauheim. Nach ihrer Deportation verstarb sie 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. (NH)