1938

Hermann Trips (1902–1941), SA-Obersturmbannführer und Direktor der Bezirkssparkasse Alsfeld, bei einem Aufmarsch der SA.

1938Der SA-Mann Hermann Trips

Hermann Trips (1902-1941) wurde in Tressingen/Lothringen geboren und lebte ab 1922 in Alsfeld. Er war Beigeordneter der Stadt Alsfeld, trat 1928 der NSDAP bei und war Mitglied in der Sturmabteilung (SA) im Rang eines Obersturmbannführers. Bei politischen Aktionen und Demonstrationen führte er die Alsfelder Einheit der SA an.

Am 6. März 1933 nahm Trips zusammen mit seiner SA-Standarte 115, dem Gauleiter Jacob Sprenger (1884-1945) und dem Kreisleiter der NSDAP in Alsfeld, Heinrich Müller (1896-1945), aktiv an der gewaltsamen Machtübernahme in Hessen teil. So besetzte die SA in Darmstadt das Innenministerium und weitere öffentliche Gebäude. Am nächsten Tag wurden 500 Angehörige der SA, SS und des Stahlhelms (Bund der Frontsoldaten) als Hilfspolizisten vereidigt, die in den folgenden Tagen Massendurchsuchungen bei politischen Gegnern durchführten und die jüdische Bevölkerung terrorisierten.

Hermann Trips erhielt für seinen Einsatz eine Belohnung, indem er am 15. April 1934 Direktor der Bezirkssparkasse in Alsfeld wurde – obwohl er keinerlei Erfahrung im Bankwesen hatte. Angeblich hatte Gauleiter Sprenger ihn gegen seinen Willen als Direktor der Bezirkssparkasse eingesetzt. In der Pogromnacht am 09.11.1938 sorgte er mit einem anonymen Anruf dafür, dass das Feuer in der Synagoge wieder gelöscht wurde. Dadurch wollte er verhindern, dass die Hypothek der von ihm geleiteten Bezirkssparkasse wertlos wurde. Er fiel am 28.12.1941 in Ssokolja Plota bei Kursk/Russland.

Nach Kriegsende fand ein Spruchkammerverfahren gegen Hermann Trips statt. Das posthume Verfahren wurde von seiner Witwe durchgeführt, um einen Anspruch auf eine Witwenrente zu erhalten. Im Spruchkammerverfahren sagten die Witwe und ihr Anwalt aus, dass Trips keine Funktion innerhalb der SA gehabt habe. Dies war offensichtlich eine Schutzbehauptung. Ein Zeitzeuge führte seine Rolle beim Brand der Synagoge sogar als entlastend an, ohne das Motiv für sein Eingreifen zu thematisieren. Einig war man sich in dem Punkt, dass es sich um einen überzeugten Nationalsozialisten gehandelt habe. Ein guter Freund sagte in Bezug auf seinen Tod in Russland: „Er starb den Tod, den er sich gewünscht hatte.“