1914
Aschenbecher mit patriotischem Spruch, um 1914
Alsfeld zieht in den Krieg!Ausbruch des Ersten Weltkrieges
Die nationalistische Stimmung war auch in Alsfeld aufgeheizt. Krieg und Heldentod für das „Vaterland“ wurden mit viel Pathos in Gedenkschriften und Veranstaltungen wie sommerlichen Kriegsfestspielen zelebriert. Besonders der Sieg von 1870/71 wurde dabei erinnerungsgeschichtlich ausgeschlachtet und mit teutonischem Pomp garniert, wie eine Gedenkschrift des Alsfelder Kriegervereins aus dem Jahr 1906 zeigt: „Und als des Kampfes wilde Flammen, entflohen von verruchter Hand. Da standen einig wir zusammen: Ein Volk, ein Herz, ein Vaterland.“ Kirchenvertreter, Lehrer und andere kaisertreue Stadtautoritäten überzogen die Alsfelder Öffentlichkeit mit patriotischen Reden.
Die ersten Soldaten verabschiedeten sich Anfang August 1914 von ihren Familien; bereits am 2. August starben die ersten fünf jungen Männer aus Alsfeld im Maschinengewehrfeuer in den Ardennen. Das gesamte zivile Leben wurde militärischen Zwecken untergeordnet, Zugverkehr und Handel wurden eingeschränkt. Man suchte neue Geschäftsfelder im Handel mit Militärstiefeln und Schutzkleidung oder schickte sogenannte „Liebesgaben“ wie warme Wäsche und Verbandsmaterial an die Front.
Kriegsfreiwillige wie Karl Wallach wurden nach ihrer Fronterfahrung zu überzeugten Kriegsgegnern; Todesanzeigen mit dem Hinweis auf den „Heldentod“ boten den Hinterbliebenen oft nur zweifelhaften Trost. Auch wenn die Zahl der Alsfelder Kriegsopfer nicht genau ermittelt werden kann, entstand durch ihr Fehlen eine große Lücke in der Stadtgesellschaft. (SR)