1905
Ölgemälde von Karl Wallach (1866–1935), gemalt von Rich. Hoelscher im Jahr 1926.
1905Die Familie Wallach
Bei der Liste fällt auf, dass ein bedeutender Familienname fehlt: die Familie Wallach.
Die Familie Wallach war in Alsfeld sehr prominent. Es handelte sich um eine jüdische Familie, die sich Anfang des 19. Jahrhunderts hier niederließ. Als Familiengründer gilt Meier Wallach (1806-1880), verheiratet mit Sophie Spier (1808-1885).
Leopold Wallach (1833-1901) brachte es in Alsfeld zu Ansehen und Reichtum: Er besaß eine Brauerei, einen Holzhandel und war als Kommunalpolitiker über 20 Jahre im Gemeinderat aktiv. Von 1893 bis 1898 war er auch Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Alsfeld. Ihm folgte Wilhelm Wallach (1862-1921) als Vorsteher von 1905-1910. Leopold und Hermann Wallach schenkten der jüdischen Gemeinde 1875 ein Grundstück für einen jüdischen Friedhof.
Im 20. Jahrhundert führte Karl Wallach (1866-1935) den Familienbetrieb weiter und baute die Brauerei aus. Er konvertierte jedoch am 14.12.1905 zum Protestantismus, zwei Wochen vor der Einweihung der neuen Synagoge! Obwohl die Familie sich seit dem 19. Jahrhundert der jüdischen Gemeinde verpflichtet fühlte und ihre Familienmitglieder auf dem jüdischen Friedhof begraben wurden, ist der Name Wallach auf dem Synagogenkästchen nicht zu finden. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Möglicherweise war die Familie Wallach nicht orthodox und daher mit den strengeren Vorschriften nicht einverstanden. 1933 lebten nur noch sehr wenige Familienmitglieder in Alsfeld, vor allem der Brauereimeister Emil Wallach (1847-1933). Dessen persönliche Dokumente wurden in der Synagoge aufgefunden und dem Geschichts- und Museumsverein 1939 übergeben. Karl Wallach hatte sich offenbar von der jüdischen Religion entfremdet. Nachdem er seine Brauerei 1935 zwangsweise an die Genossenschaftsbrauerei GmbH in Alsfeld verkaufen musste, zog er nach Frankfurt. Dort verstarb er im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde (Gagernstraße 36) am 23.10.1935.