1710
Hölzerner Schaft, breite, kurze Klinge sowie langer, spitz zulaufender Spieß aus Eisen – die bis zu zwei Meter lange Hellebarde der Alsfelder Nachtwächter
1710Hieb- und Stichwaffe als Standardausrüstung für Nachtwächter
Ursprünglich war die Hellebarde, eine Mischform von Hieb- und Stichwaffe, eine Waffe des Fußvolks, die im 14. Jahrhundert entstand und bis zum 16. Jahrhundert verwendet wurde. Die Ableitung des Wortes aus dem Mittelhochdeutschen halm oder helm für „Stiel“ und barte für „Beil oder Streitaxt“ zeigt, dass der Name ursprünglich „Beil mit langem Stiel“ bedeutete. Im 16. Jahrhundert kam für sie in deutschen Städten die Bezeichnung „Nachtwächterspieß“ auf, in Alsfeld wurde sie als solche bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet.
Die Aufgaben der Nachtwächter als städtische Bedienstete waren überaus vielfältig. Sie wachten in der Nacht über alle Bewohner der Stadt, über die schlafenden Menschen genauso wie über die vielen Tiere in den Stallungen der Ackerbürgerstadt. An insgesamt 38 verschiedenen(!) Orten im Städtchen hatte das Absingen der Stunden zu erfolgen; dazu ging der Nachtwächter nachts im Dunkeln durch die Straßen und Gassen, sorgte für Sicherheit und Ordnung und hatte das Recht, verdächtige Personen anzuhalten und gegebenenfalls auf die Wache zu bringen.
Da zu ihren Aufgaben auch der Brandschutz gehörte, macht die Hellebarde durchaus Sinn: Mit dem „Beil“ oder der „Barte“, aber auch der kurzen Klinge, dem „Haken“, konnten brennende Teile heruntergerissen und so das Entstehen von Bränden im Anfangsstadium verhindert werden. (MNic)