1646

Stadtansicht von M. Merian, entstanden 1646, geht zurück auf ein früheres Werk von W. Dilich aus dem Jahr 1605

1646Stadtansicht von Matthäus Merian

Matthäus Merian d. Ä. (1593–1650) war ein Schweizer Kupferstecher und Verleger. Eines seiner bekanntesten und umfangreichsten Werke ist die „Topographia Germaniae“, die zwischen 1642 und 1654 in 16 Bänden erschien und deren Fertigstellung Merian selbst nicht mehr erlebte. Der hessische Band „Topographia Hassiae et Regionum Vicinarum“ erschien im Jahr 1646 sowie 1655 in zweiter Auflage.

Häufig sind Merians Stadtansichten die ältesten überlieferten Darstellungen vieler Städte und zeigen den Zustand vor den verheerenden Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges. Auch wenn alte Stadtansichten grundsätzlich mit kritischem Auge in Bezug auf die Authentizität betrachtet werden müssen, sind Merians Stiche von hohem kulturhistorischem und kunstgeschichtlichem Wert, da sie die Situation in der Regel sehr genau wiedergeben.

Merian erstellte auf Reisen viele eigenhändige Zeichnungen und Vorlagen, bezog sich aber auch auf Material anderer Künstler. Dies wird am Beispiel der Alsfelder Ansicht deutlich. Das Vorbild ist in diesem Fall ein Kupferstich von Wilhelm Dilich aus der „Hessischen Chronica“ aus dem Jahr 1605. Merian griff dieses Vorbild auf und verfeinerte es. Besonders interessant für den heutigen Betrachter ist die Darstellung der Stadtbefestigung, der Stadttore und des von Landgraf Hermann II. dem Gelehrten zwischen 1380 und 1390 erbauten Stadtschlosses, das hier klar erkennbar ist. (MJ)